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Schatzkiste für Kunden, Verkaufsregal für Kreative

In einem Geschäft im Zentrum Wiens mieten regionale Produzenten ein eigenes Fach um zehn Euro pro Woche, um ihre Waren zu verkaufen. Das ’s Fachl wurde in kürzester Zeit durch einen Schneeballeffekt in den sozialen Medien bekannt.

„Jeder, der ein Fachl im Fachl hat, macht auch Werbung für uns“, sagt ’s Fachl-Mitbegründer Christian Hammer, während er mich durch sein kleines, kreatives Reich in der Wiener Innenstadt führt. Ein Fachl ist eine Obstkiste aus Holz, die man um zehn Euro pro Woche mieten kann, um seine selbst hergestellten Waren feilzubieten. Der Deal für die Produzenten ist gut, das ’s Fachl-Team behält lediglich zehn Prozent vom Verkaufspreis ein.

's Fachl

Christian Hammer (li.) und sein Mitarbeiter Thomas Frischherz

Im Moment sind etwas über die Hälfte der 300 Fachl belegt, vor Weihnachten waren fast alle vermietet, und das, obwohl Christian und sein Geschäftspartner Markus Bauer den originellen und innovativen Laden am Fleischmarkt erst im letzten Oktober eröffnet haben. Kunden kamen ebenfalls vom Start weg zahlreich in den versteckten Innenhof am Fleischmarkt. Haben die ’s Fachl-Gründer Unsummen für Marketing und Werbung ausgegeben? Christian schüttelt den Kopf und lacht. „Der Selbständige, der bei uns ein Fachl hat, kommuniziert das auf Social Media-Plattformen. Das war für uns wie ein Schneeballeffekt.“

Auch zwischen den Fachl-Mietern ist so etwas wie eine kleine Internet-Community entstanden. „Ein Schmuckhersteller teilt und liked den Facebookbeitrag eines anderen Schmuckherstellers, der bei uns ausstellt. Sie sind Mitbewerber und keine Konkurrenten. Das ’s Fachl ist auch durch dieses Netzwerken so schnell bekannt geworden.“

Bananencurry und Schweinsbraten im Glas

Sind die Kunden mal im Geschäft sind, ist es sehr wahrscheinlich, dass sie auch etwas kaufen. Das ’s Fachl ist so eine Art Schatzkiste für alle, die mal eine Auszeit von großen Supermärkten und Einkaufstempeln brauchen. Die Regale auf der 70 Quadratmeter großen Verkaufsfläche sind befüllt mit schmackhaften Schmankerln, einzigartigem Modeschmuck, ausgefallenen Gewürzen, hochwertigen Bioprodukten, alles von regionalen Produzenten. Selbstgestrickte Wollhauben, Filzpatschen, Ingwerlikör, Bananencurry, Kaiserschmarren-Backmischungen in hübschen Flaschen, Notizbücher mit einem Einband aus Jeansstoff, Schweinsbraten im Glas werden angeboten. „Der schmeckt sensationell, wie Omas Schweinsbraten. Ich hätte das nie für möglich gehalten“, sagt Christian begeistert. „Und von diesem Wein gibt es nur 1600 Flaschen pro Jahr. Der wurde auch in London beim Achtziger der Queen ausgeschenkt“.

Workshops und Seminare

In der oberen Etage des Geschäfts werden zudem 70 Quadratmeter für Vernissagen, Seminare und Workshops vermietet. Die Miete für die drei Räume kostet pro Woche € 199, Provision (zum Beispiel für verkaufte Bilder) wird nicht verlangt. „Für uns haben diese Veranstaltungen einen tollen Synergieeffekt. Die letzte Ausstellung war so gut besucht, da haben wir achtmal so viel verkauft wie an einem normalen Tag“, erklärt Christian.

Ein paar Guides haben das ’s Fachl bereits als Station in ihr Tour-Programm eingebaut. „Die Touristen können dann etwas Handgemachtes und in Österreich Produziertes kaufen.“

www.fachl.at

 

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1 Kommentar

  1. AM sagt:

    Haargenau dasselbe Konzept inkl. Geschäftsaustattung gibt es schon mit etagere (www.etagere.at) seit 3 jahren im 7.Bezirk! Manche Leute haben keine eigenen Ideen.

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