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OPEV hilft Erfindern in Österreich

Der OPEV (Österreichischer Innovatoren-, Patentinhaber- & Erfinderverband) unterstützt ehrenamtlich bei Erfindungen und Patentanmeldungen. OPEV-Präsident Walter Wagner erzählt im Interview, was sein Verband für Erfinder tut und warum Österreich seine Innovationslandschaft beleben sollte.

Eine Erfindung sollte nicht komplizierter als das Problem sein“ – dieser Satz steht auf Ihrer Homepage.  Wie oft kommt das in der Realität tatsächlich vor?

OPEV-Präsident Walter Wagner

OPEV-Präsident Walter Wagner

Das Erkennen eines Problems ist der erste Schritt zu einer Erfindung. Die Problemlösung unterliegt aber marktwirtschaftlichen Grundsätzen und muss daher wirtschaftlich herstellbar sein. Nachfolgende Einmalkosten für die Entwicklung, Produktions- und Vertriebskosten müssen berücksichtigt werden, weshalb ein Businessplan eine Aufgabe ist, der im Vorfeld erledigt, eine wertvolle Hilfe ist. Um mittelfristig reüssieren zu können, muss der Deckungsbeitrag ebenfalls stimmen. Ein Produkt, das man selber benötigt bedeutet noch nicht, dass andere es auch als Objekt der Begierde sehen. Eine externe Marktchancenbewertung ist deshalb zu empfehlen.

Wie genau definieren Sie Erfindung bzw. einen Erfinder?

Eine Erfindung liegt dann vor, wenn die Erfindungshöhe ausreichend ist, d.h. wenn es sich nicht in naheliegender Weise aus dem Stand der Technik ergibt und ein Fachmann ohne schöpferisches Zutun zu derselben Lösung kommen kann. Die Kombination zweier bekannter Ideen ist ebenfalls patentierbar wie eine in seiner Wirkung essentielle Produkt- oder Verfahrensverbesserung.

Wieviele Erfindungen werden pro Jahr ca. an Sie herangetragen?

Das ist von Jahr zu Jahr unterschiedlich, aber 60-70 können schon erreicht werden. Sowohl die technische Lösungskompetenz, die Marktchancen und die Sinnhaftigkeit sind von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Selbst die Erfinder und Erfinderinnen kommen aus allen Berufen: z.B. Juristen, Ärzte Hilfsarbeiter, Handwerker usw.

Der OPEV ist ein gemeinnütziger Verein. Wie finanzieren Sie sich und wieviele Mitglieder haben Sie?

Derzeit ca. 450 mit leicht steigender Tendenz.

Wieviel kostet eine Mitgliedschaft und welche Vorteile hat ein Mitglied?

Unter € 100,  Pensionisten und Studenten deutlich darunter.

Welche Leistungen erbringen Sie genau für Erfinder?

Vorträge im Zuge von Erfinderforen (Wien und Salzburg) sind wie auch Erstberatungen kostenfrei. Die Inanspruchnahme von Leistungen wie Beratung durch Patentanwälte setzt eine Mitgliedschaft voraus. Grundsätzlich handhaben wir unsere Leistungen großzügig. Die ehrenamtliche Mitarbeit von Erfindern und Marketingexperten und deren Erfahrung ist eine wesentliche Dienstleistung, weil unbürokratisch und rasch geholfen wird. Gleichzeitig stellen wir Kontakte zur Wirtschaft, Politik und zu öffentlichen Förderstellen her.

Was sind die Beweggründe für Sie und die anderen OPEV-Mitglieder, diese Arbeit ehrenamtlich zu machen?

Gluehbirne, Erfindung, OPEV, ErfinderverabandMan wächst langsam mit seinen Aufgaben, die laufend mehr werden. Im Grunde geht es darum, die Innovationslandschaft in Österreich zu beleben, weil in einem rohstoffarmen Land nur der Wohlstand mit besseren Produkten, Verfahren und Dienstleistungen erzielbar ist.

Sie unterstützen auch beim Anfertigen eines Prototyps. Wie genau sieht diese Hilfe aus?

Finanzielle Unterstützung gibt es vom OPEV statutengemäß natürlich nicht. Wir können aber unsere Kooperationen bei der Prototyperstellung nutzen, um entscheidende Hilfestellungen beim Prototypenbau zu gewähren. Die auf uns herangetragenen Erfindungen umschließen alle Bereiche von Mechanik über Elektrotechnik und Elektronik, ebenso wie Chemie und Verfahrenstechniken. Wesentlich ist die Kontaktherstellung zu den Richtigen und nicht zu den Wichtigen.

Sie unterstützten auch bei Marketing und Werbemaßnahmen?

Die kaufmännischen Defizite sind bei Erfindern traditionell sehr groß. Deshalb sehen wir unsere Aufgabe nicht nur in der Abfassung einer fachgerechten Patenteinreichung, sondern der Fokus liegt in der Umsetzung. Und das ist ein weites Feld.

Arbeiten Sie mit dem Patentamt zusammen?

Natürlich. Deshalb darf man sich aber keine Einflussnahme auf ein laufendes Patentprüfungsverfahren erwarten. Der laufende Kontakt zum Amt wird aber genützt, um auf Verbesserungen der Erfinderschaft hinzuarbeiten.

Was sollte alles genau geprüft werden, bevor man ein Patent anmeldet?

Ein Punkt auf den wir besonders hinweisen müssen, ist die Recherche. Nur weil man im Google ein Produkt nicht findet, heißt das nicht, dass es nicht schon erfunden wurde. Dies trifft auf über 90 Prozent zu. Nur ein kleiner Teil von Erfindungen kann am Markt reüssieren. Weiters sind die Alleinstellungsmerkmale von ganz entscheidender Bedeutung. Wenn ein Businessplan zu einem positiven Projektstatus kommt, ist sehr viel im Vorfeld erreicht.

Mit wieviel Kosten muss der Erfinder für ein Patent rechnen?

Die Anmeldegebühr sind einige Hundert Euro (Patent oder Gebrauchsmuster). Ist ein Patentanwalt hinzuzuziehen, sind die Kosten deutlich höher und abhängig von der Komplexität der Anmeldung.

Wieviel Prozent der Erfinder gelingt es dank ihrem Produkt, ein erfolgreiches Startup zu gründen?

Gluehbirne, Erfindung, OPEV, ErfinderverbandErfolgreiche Startups, die eine Erfindung im klassischen Sinn als Grundlage haben, sind spärlich gesät. Nachdem selbst große Unternehmen nur im einstelligen Prozentbereich liegen, sind freie Erfinder bei etwa 1 Prozent  anzusiedeln.

Wenn jemand ein innovatives Produkt erfunden hat und es auf den Markt bringen möchte: Wie sollte man Schritt für Schritt vorgehen, was gilt es ab dann zu beachten?

Kommt ganz auf das Produkt an. Der Gang zum OPEV ist auf jeden Fall ratsam.

Worauf muss ein Erfinder rechtlich achten?

Gut recherchieren. Patentverletzungen können teuer werden.

Sie beraten sowohl juristisch als auch technisch. Raten Sie Erfindern auch von Patentierungen ab, falls ihre Ideen für den Markt nicht geeignet sind?

Selbstverständlich.

Welche Erfindungen haben gute Chancen auf einen Förderung?

Austria Wirtschaftsservice ist hier die erste Anlaufstelle.

Beraten Sie auch bei Markenrecht?

Ja. Vom Markenrecht darf man sich keine großen Erwartungen haben. Eine Marke hat am Beginn einen Marktwert von 0 Euro. RedBull hat erst im Laufe von vielen Jahren diesen wirklich hohen Markenwert erhalten. Trotzdem ist die Marke am Beginn eines Projektes ganz ein wichtiges Instrumentarium, um sich von anderen langfristig zu unterscheiden.

Die verrücktesten und originellsten Erfindungen, mit denen Sie bereits zu tun hatten?

Als Erfinder muss man immer etwas außerhalb des Zentrums stehen, um einen besonderen Blick auf die Sache zu werfen. Damit ist man auch ein bisschen verrückt. Aber selbst verrückte Ideen verlangen sehr viel Professionalität in der Umsetzung, weshalb Geschäftssinn immer gefragt ist.

www.erfinderverband.at

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